Ausgabe 49 - März 2013

-14- einer Karte und einem erläuternden Buch. Die Karte ist eine aktuelle Straßenkarte der Stadt Krefeld. Viele Straßen sind eingefärbt und an der Einfärbung kann man erkennen, wie oft diese Straßen ihren Namen verändert haben. Auf der Rückseite der Karte sind dann frühere Bezeichnungen der jeweiligen Straße aufgeführt. Und das beiliegende Buch ist eine wahren Schatzkammer: Alle Krefelder Straßennamen werden erklärt! Die Umbenennungen in der Nazi – Zeit sind noch einmal in einem besonderen Aufsatz im Buch beschrieben. So erfährt man, dass schon im April 1933 die Rheinstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt wurde. Die Gutenbergstraße war in der Nazi – Zeit die Eupener Straße. N a , a u f g e p a s s t i m Geschichtsunterricht ? Genau: Eupen – Malmedy war nach dem 1. Weltkrieg an Belgien abgetreten worden und die Nazis wollten natürlich dieses Gebiet wieder an das Deutsche Reich anschließen. Und wo lag in der Nazi – Zeit die Schlageter – Allee? Es war die 1930 so benannte Friedrich-Ebert-Straße, die 1933 umbenannt wurde nach jemandem, der 1923 gegen die f r anzös i s che Be s e t zung de s Ruhrgebiets mit Terrorakten vorging. Und wenn man auf der Sternstraße bei Gleumes heute sein Bier trinkt, ist interessant zu wissen, dass die Sternstraße vom 20. April 1933 (Führers Geburtstag) bis 1945 Horst- Wessel-Straße hieß. Eine schöne Straße Krefelds also benannt nach einem SA – Schläger, der aus politischen oder persönlichen (Prostituiertenmilieu) Gründen den Tod fand und zum Märtyrer hochstilisiert wurde. Aber genug der allgemeinen Geschichtstunde. Man spürt in diesen Zeilen aber sicher die Begeisterung des Verfassers über das Buch/ die Karte „Schildbürger“. Es gehört in den Bücherschrank aller, die sich für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren. Leider, leider, leider kommt aber unser Bezirk Grönland im Buch/auf der Karte schlecht weg. Es liegen einige Recherche – Fehler oder einfach Unachtsamkeiten vor. So wird der Namensgeber des Hans- Stienen-Weges als Begründer des Bürgervereins Grönland und der Karnevalsgesellschaft Grönland vorgestellt. Gleichzeitig ernennt man ihn aber zum „Heimatschriftsteller“. Der gute Hans, der sich unendliche Verdienste um den Bezirk erworben hat, war hier fast alles, aber kein Heimatschriftsteller. Peter Lauten wird beschrieben als sozial engagierter, auch in der Nazi - Zeit mutig seine Überzeugung vertretender katholischer Priester. Seine Pfarrei sei St. Bonifatius in Stahldorf gewesen. Peinliche Verwechslung mit St. Bonifatius an der (früheren) Süchtelner Straße. Früher katholische Kirche, dann Turnhalle der Grundschule, heute Pappköpp – Theater. Und die Straße an der (ehemaligen) Kirche heißt eben Peter – Lauten-Straße. Wieso sollte man eine Straße im Grönland nach einem Pfarrer aus Stahldorf benennen? Die Urfeystraße. Namensgeber hier Wilhelm Urfey, gestorben 1902. In dem Auf sat z, der si ch mi t Umbenennungen in der Nazi – Zeit befasst, wird Urfey aber als Politiker der Weimarer Republik beschrieben, die bekanntlich von 1918 bis 1933 dauerte. Da war Urfey schon lange toto. Und zu guter Letzt: Wir hatten anlässlich des 50jährigen Bestehens nachgeforscht, was der Name „ Grönland“ denn nun wirklich

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