Ausgabe 49 - März 2013

-10- Zeit, die mit langen Stangen und Haken abends di e Lat ernen anzündeten und morgens wieder löschten. Josef Owsianowski , Jahrgang 1922, gelernter Bergmann aus Gelsenkirchen und erst später in Krefeld für die Stadtwerke tätig, fuhr schon mit Moped und Leiterwagen los, um defekte Gaslaternen zu reparieren und Laternen zu reinigen, denn das An- und Ausschalten ge schah schon au t oma t i sch . Trotzdem blieb er der „Lateere-Pitt“. Und der kam schon mal in Gewissensnöte: Sollte er die defekte Lampe, unter der sich ein Pärchen im Dunkeln zärtlich küsste, wirklich sofort reparieren und die Idylle stören? Hat er nicht getan, sagt sein Sohn Horst aus der Erinnerung. Ü b e r h a u p t g i b t e s v i e l E r z ä h l e n s w e r t e s ü b e r Laternenwächter und Gaslaternen. Die Kinder hatten beim Erscheinen des „Pitt“ nach Hause zu eilen, denn die Dunkelheit brach an. Und wenn wir heute sagen, dass wir uns „einen auf die Lampe gießen“, hat das auch e twas mi t Gas l a t e r nen und Laternenwächtern zu tun. „Sich einen auf die Lampe gießen“ rührt daher, dass man zum Auftauen vereister Gaslampen früher Spiritus benutzte. Und der war noch nicht in Brennspiritus und konsumierbaren Alkohol getrennt. Also hatte man „ die Lampe an“, wenn man, statt die Laterne zu enteisen, selbst davon trank. Am nächsten Tag lief man dann „auf Sparflamme“. Diese Sp a r f l amme wa r d i e n i c h t erlöschende kleine Gasflamme, die auch tagsüber brannte und dann abends durch erhöhte Gaszufuhr zu einem hellen, gemütlichen Licht wurde. Schade eigentlich, dass in Krefeld keine Gaslaternen mehr brennen. Anders übrigens in Lobberich, Düsseldorf etc. Dort kämpfen Bürgerinitiativen für den Erhalt der Gaslaternen. Aber zurück zu den Owsianowskis. Und zu Annemarie und Horst selbst. Lange Jahre war hier die berühmte „ fünfte Jahreszeit“ (für Nicht – Rheinländer: der Karneval) der Dreh- und Angelpunkt der Familie. Dabei fing alles ganz harmlos an: Zu einer Sitzung der Karnevalsgesellschaft Grün-Weiß Grönland stylten Horst und Annemarie Owsianowski sich auf. Die selbst hergestellten Landsknech t skos t üme – und sicherlich auch die gute Laune der beiden – fielen auf und Günter Stocks, führender Grönländer Karnevalist, fragte die beiden, ob sie nicht im Karnevalsverein mittun wollten. Gesagt, getan, und die beiden wurden Volltreffer im Krefelder Narrengeschehen. Horst mehr hinter der Bühne, Er war Zeugwart, sorgte für das Ambiente vor den großen Sitzungen der KG G r ü n - W e i ß G r ö n l a n d i m Seidenweberhaus und fuhr 20 Jahre lang den „Schluff“ – einen als Lokomotive verkleideten Trecker - d e r G r ö n l ä n d e r i m Rosenmontagszug. Annemarie führte in der Bütt Zwiegespräche mit M a n f r e d R u n d h o l z , d e r Künstlername des Duos: „Anton und Schluffi“. „Eine wunderschöne Zeit war das damals,“ sagt Annemarie heute. Man trat mit Hans Bols, dem „Botterblömke“ aus dem Grönland, mit den „Bläck Fööss“ aus Köln oder mit den „Vier Souvenirs“ zusammen auf und hatte jede Menge Spaß. Ein Beispiel? Horst erzählt: „ Da gab es den Schlager – Es steht ein Pferd auf dem Flur-. Da haben wir das Pferd von der Nicole Klein aus der Nachbarschaft mit zum Vereinslokal des Karnevalsvereins „Frankenkrug“ genommen. Dann wurde Günter Stocks, der Wirt, zur Türe gerufen, wir haben den Song gespielt und dann die Tür geöffnet. Das Gesicht von Günter Stocks werde ich nie vergessen. Da stand wirklich ein Pferd vor ihm auf dem Flur. Nicht nur auf dem Flur übrigens. Wir haben das Pferd dann mit in die Gaststube genommen.“ Muss `ne schöne Zeit gewesen sein damals. Aber – und damit zum dritten Teil der Story – auch heute spielen die Owsianowskis im Bezirk eine wichtige Rolle. Naja, die Stützpunkthändler für Viktoria E-Räder In diesen Kostümen wurden sie für den Karneval entdeckt Annemarie und Enkel zeigen ein „Anton und Schluffi“ Plakat

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